Geschichte - Entwicklung der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie in Göttingen

Geschichte ( U. Rüger)

Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist zugleich ein altes und ein junges Fach. Seine geistigen Wurzeln lassen sich bis Plato, Hippokrates und Galen zurückverfolgen und blieben bis in die Neuzeit lebendig.
Mit den großen Erfolgen einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin von der Mitte des 19. Jahrhunderts an drohte aber die Seele aus der Medizin verdrängt zu werden. Ideengeschichtlich lässt sich die Psychosomatische Medizin auch als eine Gegenbewegung gegen ein solches einseitiges Verständnis des kranken Menschen verstehen.
In dieser Entwicklung verbinden sich drei unterschiedliche Ansätze:

  1. der psychogenetische der Psychoanalyse
  2. der holistische (ganzheitliche) der klinischen Medizin
  3. sowie schließlich der psycho-physiologische Ansatz

Diese verknüpfen sich zu einem umfassenden bio-psycho-sozialen Verständnismodell vom kranken Menschen. Dementsprechend geht es - wie in einem der ersten Lehrbücher des Fachgebietes ausgeführt – der Psychosomatischen Medizin nicht darum, dem Körper weniger, sondern der Seele wieder mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Bedeutung der Psychosomatischen Medizin zunehmend anerkannt; dies führte 1970 zur Institutionalisierung des Faches an den Medizinischen Fakultäten der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der damals neuen Approbationsordnung. Schließlich beschloss 1992 der Deutsche Ärztetag die Einführung eines eigenen Fachgebietes in der Ärztlichen Weiterbildungsordnung - zunächst mit dem Titel "Psychotherapeutische Medizin" und dann nach Beschluss des Ärztetages 2003 mit dem an die Ärztliche Approbationsordnung angeglichenen Titel „Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“.